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Habilitationsstipendium der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG)
Modulare Entwicklung implementierbarer
Grammatiken für verwandte Sprachen am Beispiel der slavischen
Sprachfamilie
(Zusammenfassung) Ziel
des Vorhabens ist die Entwicklung
modularer auf dem Computer implementierter Grammatiken für
repräsentative slavische Sprachen mit einer gemeinsamen
Kerngrammatik und Komponenten, die sich parametrisiert in mehr als
einer Sprachbeschreibung verwenden lassen.
Geplant ist zunächst eine komparative
Untersuchung ausgewählter slavischer Sprachen mit dem Ziel,
sprachübergreifende Phänomene zu ermitteln, die sich für
die Beschreibung in einer Kerngrammatik eignen. Die einzelnen
Beschreibungen sollen dann als Module der Kerngrammatik formuliert
werden. Bisher sind drei Phänomenklassen für diese Arbeit
vorgesehen: das Kasus- und Genussystem; Konstruktionen, die
gewöhnlich durch Einführung leerer syntaktischer Kategorien
behandelt werden; sowie die Wortstellung. Dabei wird das Hauptaugenmerk
auf dem Russischen und Bulgarischen liegen, in etwas geringerem
Maße aber auch auf dem Tschechischen und/oder Polnischen. Mit
dieser Auswahl soll erreicht werden, daß verschiedene slavische
Sprachgruppen exemplarisch vertreten sind.
Die eigentliche Formalisierung soll im Rahmen
der Head-Driven Phrase Structure Grammar (HPSG) erfolgen, was die
Möglichkeit bietet, alle Komponenten der Grammatik in einem
einheitlichen Formalismus zu repräsentieren und bestehende
Computersysteme für die Entwicklung und Verarbeitung von
Grammatiken zu verwenden. Der geplante Einsatz der HPSG wird ein Test
für die vielgepriesene Modularität und den
Universalitätsanspruch des Grammatikmodells sein. Es ist zu
erwarten, daß, wie bereits in früheren Vorarbeiten
demonstriert, Grammatikmodell und -theorie modifiziert werden
müssen, um den gesetzten Ansprüchen gerecht werden zu
können.
Die Implementation auf dem Rechner wird der
Verifikation der theoretischen Ergebnisse dienen. Die implementierten
Beschreibungen sollen anderen Einrichtungen für Forschung, Lehre
und Anwendungsentwicklung zur Verfügung gestellt werden.
Die theoretischen und praktischen Ergebnisse
sollen den drei sprachwissenschaftlichen Disziplinen zugute kommen,
deren Methoden und Theorien für den Erfolg des
interdisziplinären Vorhabens benötigt werden.
Der Nutzen des Vorhabens für die
Computerlinguistik ist die Wiederverwendbarkeit der gemeinsamen
Bausteine und somit die Reduktion der Entwicklungszeit für neue
Grammatiken. Daher müssen die fortgeschritteneren Methoden
für die Grammatikspezifikation und für die grammatische
Analyse eingesetzt werden.
Der erwartete Nutzen für die Slavistik
ist die Präzisierung von komparativen Theorien und
sprachübergreifenden Generalisierungen sowie deren
Überprüfung. Hier liegt der theoretische Kern des Projekts,
denn um die Aufgabe lösen zu können, müssen die
Erkenntnisse und Theorien der slavischen Sprachwissenschaft in einer
viel größeren Breite aber auch in einer größeren
Tiefe in die computerlinguistische Arbeit einbezogen werden, als das in
der Vergangenheit der Fall war.
Für die allgemeine Sprachwissenschaft
werden Erkenntnisse darüber erwartet, inwieweit sich neue formale
Grammatikmodelle, die zunächst rein synchronisch das grammatische
Wissen eines einzelnen Sprechers repräsentieren sollen, auch
für den Einsatz in der komparativen Arbeit und in der Beschreibung
sprachfamilienspezifischer Phänomene eignen. Eine solche Eignung
ist längerfristig gesehen auch eine Vorbedingung für den
Einsatz der formalen Verfahren in der Beschreibung von Sprachwandel.
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