\documentclass[12pt]{scrartcl}

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\title{Musterl"osungen zum 1. "Ubungsblatt}
\author{Sebastian Padó}

\begin{document}
\maketitle

\subsection*{Aufgabe 1.1b}

\textsl{I made her duck}  hat folgende Lesarten:
\begin{enumerate}
\item Ich stellte ihre Ente her
\item Ich kochte ihre Ente
\item Ich kochte Ente für sie
\item Ich habe sie dazu gebracht, sich zu bücken
\item Ich verwandelte sie in Ente
\end{enumerate}

\subsection*{Aufgabe 1.1c}
Die wichtigsten sind die folgenden (es gibt noch mehr):
\begin{itemize}
\item \textsl{make} kann entweder ``machen'' bedeuten oder ``jemanden
  zu etwas bringen''. Das ist eine lexikalische Ambiguität mit
  syntaktischen Konsequenzen: ``machen'' nimmt ein Objekt (und
  möglicherweise einen Benefizienten), ``bringen'' ein Objekt und
  einen zu-Infinitiv.
\item Wenn \textsl{make} ``machen'' heisst, kann es entweder im Sinn
  von ``herstellen'' oder im Sinn von ``zubereiten'' verwendet werden
  (lexikalische Ambiguität)
\item \textsl{her} ist entweder Possessivpronomen (``ihr(e)'') oder
  Personalpronomen im Dativ (``ihr'', d.h. ``für sie''). Das kann als
  lexikalische (zwei Wörter) oder  morphologische Ambiguität (ein
  Wort, zwei Formen) aufgefasst werden.
\item \textsl{duck} heisst entweder ``Ente'' (als Nomen) oder
  ``ducken'' (als Verb). Das ist eine lexikalische Ambiguiät, die zu
  einer syntaktischen Ambiguität führt -- wenn das Wort ein Nomen ist,
  kann es nur in einer Nominalphrase stehen; wenn es ein Verb ist,
  kann es nur in einer Verbalphrase stehen.
\end{itemize}

\subsection*{Aufgabe 1.1d}
\begin{itemize}
\item Peter sieht Maria. (Entweder er sieht sie, oder sie sieht ihn.)
\item Er sprengte die Bank. (Entweder er gewann im Kasino, oder er
  brach in das Geldinstitut ein, oder er zerstörte eine Sitzgelegenheit.)
\end{itemize}

\subsection*{Aufgabe 1.1e}
[Die Unsicherheit] [über die Anbindung] [der griechischen Minderheit]
[in der Türkei] hat letzte Nacht [zu verzweifeltem Übersetzen] geführt.

\begin{itemize}
\item Anbindung von ``der griechischen Minderheit'': entweder an
  ``Unsicherheit'' oder an ``Zukunft'': 2 Möglichkeiten
\item Anbindung von ``in der Türkei'': entweder an ``Unsicherheit''
  oder ``Zukunft'' oder ``Minderheit'': 3 Möglichkeiten
\item ``Übersetzen'' kann ``sprachliches Übersetzen''  oder ``mit
  dem Schiff fahren'' bedeuten: 2 Möglichkeiten
\end{itemize}
Die Gesamtambiguität erhält man durch Multiplikation der
Einzelambiguitäten\footnote{Dieses Vorgehen macht die vereinfachende
  Annahme, dass die Wahl der Lesarten bei den einzelnen Ambiguitäten
  sich gegenseitig nicht beeinflusst; das genügt aber hier, um das
  Konzept zu demonstrieren.}: hier also mindestens 2*3*2 = 12.

\subsection*{Aufgabe 1.2a}
Ein Holzwegsatz ist ein Satz, bei dem speziell \textsl{ein Mensch}
aufgrund seiner (zumindest lokal) mehrdeutigen Struktur Probleme hat,
ihn zu verstehen. Holzwegsätze sind für Computer nicht per se
schwieriger als andere Sätze, die Menschen problemlos verstehen.
Holzwegeffekte entstehen dadurch, dass Menschen beim Hören oder Lesen
eines Satzes früh Annahmen über die Struktur des Satzes machen müssen.
Wenn diese Annahmen sich sehr spät als falsch herausstellen, schafft
der Hörer/Leser es manchmal nicht mehr, die Struktur passend zu
modifizieren: der Satz ist unverständlich. Dies tritt insbesondere
dann ein, wenn der vordere Teil eines Satzes eine sehr wahrscheinliche
Interpretation nahelegt, die jedoch für den ganzen Satz nicht
durchgehalten werden kann.


\subsection*{Aufgabe 1.2b}
\begin{itemize}
\item Dr. Brinkmann behandelte gestern im Krankenhaus sein Kollege. \\
  (Hier ist es am Anfang plausibel, dass ``Dr. Brinkmann'' das Subjekt
  des Satzes ist; am Ende stellt sich aber heraus, dass er das Objekt
  ist.)
\item Der Mann bat seine besten Freunde vor der Operation zu benachrichtigen. \\
  (Dieser Holzweg klappt nur bei fehlender Zeichensetzung ;-). Dann
  ist es anfänglich (mindestens bis ``Operation'') plausibler, dass
  die ``besten Freunde'' diejenigen sind, die um etwas gebeten werden.
  Am Ende des Satzes stellt sich aber heraus, dass die Freunde
  diejenigen sind, die benachrichtigt werden (gebeten wurde vermutlich
  jemand im Krankenhaus).
\end{itemize}

\subsection*{Aufgabe 1.2b}
Selbst wenn ein Satz eine syntaktische Struktur hat, die zu einem
Holzwegeffekt führen könnte (d.h. anfänglich eine andere syntaktische
Struktur nahelegt), kann diese Struktur durch die Bedeutung der Wörter
im Satz unplausibel werden. 
\begin{itemize}
\item Im Satz ``The clothes put on the rack smelled'' wäre eigentlich
  die Lesart als Hauptsatz (X put Y on the rack) initial
  wahrscheinlicher, aber da Kleider nicht plausibel als Subjekte von
  ``legen'' sind (sie werden vielmehr gelegt), wird ``put'' sofort als
  Partizip Perfekt verstanden
\item Wenn man ersten Beispiel-Holzwegsatz von oben leicht verändert,
  lautet er ``Die Patientin behandelte gestern im Krankenhaus
  Dr. Brinkmanns Kollege''. Weil die Patientin relativ unplausibel als
  Subjekt von ``behandeln'' ist, aber andererseits plausibel als
  Objekt von ``behandeln'', ist auch hier der Holzwegeffekt nicht mehr
  so gross, obwohl die Struktur dieselbe ist.
\end{itemize}

\subsection*{Aufgabe 1.3}

Grammatiken und ähnliche Modelle beschreiben die \textsl{Kompetenz},
d.h. das \textsl{idealisierte} Wissen, das nötig ist, um wohlgeformte
Äusserungen der Sprache zu generieren und zu verstehen.  Insofern
bildet Kompetenz eine geeignete Grundlage, um Sprachmodelle auf dem
Computer zu entwickelt.

\textsl{Performanz} befasst sich dagegen mit der \textsl{realen}
Erzeugung und Interpretation von Sprache durch Menschen. Zwei
(miteinander zusammenhängende) Fragenkomplexe sind hier zentral:
\begin{itemize}
\item Der Unterschied zwischen Grammatikalität und Verständlichkeit:
  Warum verstehen (und generieren) Menschen viele ungrammatische
  Sätze, aber nicht alle gramamtischen Sätze? Hier kommen z.B. wieder
  Holzwegsätze ins Spiel
\item Untersuchung der ``Algorithmen'' der menschliche
  Sprachverarbeitung: in welcher Reihenfolge analysiert (und
  generiert) ein Mensch Sprache? Wie aufwändig sind die einzelnen
  Schritte? Das ist das Aufgabengebiet der Psycholinguistik.
\end{itemize}





\end{document}
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