Computational Linguistics & Phonetics Computational Linguistics & Phonetics Fachrichtung 4.7 Universität des Saarlandes
Informationen zum Fach, beruflichen Möglichkeiten und Forschungsschwerpunkten

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Informationen zum Fach, beruflichen Möglichkeiten und Forschungsschwerpunkten


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Die benachbarten Fächer der Phonetik und Phonologie

Da bei der Untersuchung von menschlicher Sprache Fragestellungen aus vielen verschiedenen Gebieten in Angriff genommen werden müssen, könnte man die Phonetik als ein Brückenfach ansehen: Phonetik und Phonologie teilen sich die Aufgaben mit vielen anderen Disziplinen. Im folgenden werden die "Brücken" zu diesen Gebieten kurz erläutert.

Linguistik
Enge Beziehung zu anderen Teilgebieten der Linguistik wie Morphologie, Syntax, Semantik, Pragmatik; z.B. Verwendung von phonetisch-phonologischer Beschreibung für dialektologische, sprachtypologische, historische und lexikographische Zwecke

Computerlinguistik und Informatik
Verarbeitung linguistischer Theorien für sprachtechnologische Anwendungen; Verarbeitung gesprochener Sprache mit Computern

Psychologie
Wahrnehmung und Organisation von Sprache

Physik und Nachrichtentechnik
Untersuchung von Sprachschall, Signalverarbeitung, Technische Übermittlung, automatische Erkennung und Synthese von Sprache

Medizin
Untersuchung des Sprechens als physiologisches Ereignis und Störungen der Stimme, der Artikulation, der Sprache und des Gehörs

Pädagogik
Ausspracheunterricht im Fremdsprachenunterricht, in der Gehörlosenpädagogik und in der Sprachheilpädagogik

Musikwissenschaft
Akustik, Beschreibung der Stimme und rhythmischer Strukturen


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Das Studium der Phonetik & Phonologie

Das Studium der Phonetik-Phonologie vermittelt Kenntnisse artikulatorischer und akustischer Strukturen in Einzelsprachen und der menschlichen Sprache insgesamt. Dabei wird an der Universität des Saarlandes ein besonderes Gewicht auf die Schulung des analytischen Hörens gelegt sowie auf die Durchleuchtung der Beziehung zwischen dem Gehörten und dem physikalisch Messbaren.

Hören
Es ist klar, daß es insgesamt in den Sprachen und Dialekten der Welt eine Vielzahl an Lauten gibt, die nicht alle in jeder Sprache vorkommen. Im Studium wird das Gehör so trainiert, daß man mit der Zeit imstande ist, die lautlichen Nuancen, wie sie in den Sprachen der Welt vorkommen, herauszuhören, zu beschreiben und Symbolen der Lautschrift zuzuordnen (Transkribieren). Dazu dienen die Hör-und Transkriptionsübungen.

Beschreiben
Um einen ersten und allgemeinen Überblick über den Inhalt und die Methoden der Fächer Phonetik und Phonologie bzw. Allgemeine Sprachwissenschaft zu erhalten, gibt es Einführungsvorlesungen.
In der Vorlesung und Übung "Speech Science" werden die Grundlagen der Teilgebiete der Phonetik (Produktion, Akustik, Perzeption) systematisch vermittelt.
In verschiedenen Seminaren wird auf Einzelthemen der Phonetik und Phonologie tiefgreifender eingegangen. Dabei werden die theoretischen Ansätze besprochen und Modelle dazu näher gebracht. Unerlässlich für die Arbeit im Detail ist das Lesen der Fachliteratur, die zum Teil auf Deutsch, aber oft auf Englisch geschrieben ist.

Instrumentell arbeiten
Im Instrumentalphonetischem Praktikum wird gezeigt, wie man instrumentell unterstützt phonetisch arbeitet. Dazu wird in der Regel an akustischen Signalen am Computer gearbeitet. Kenntnisse der Signalphonetik sind selbstverständlich auch für die weitere Arbeit immer wieder notwendig.

Experimente durchführen
Experimente dienen dazu, in der Regel selbstgestaltete Fragestellungen zu überprüfen. Ein Experiment umfasst die Formulierung der Hypothese, das Erstellen von geeigneten Stimuli, die Aufnahme, die Analyse am Computer und die Auswertung und Präsentation der Ergebnisse.


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Die Berufspalette, Tätigkeitsfelder

Ein genau abgestecktes Berufsbild Phonetiker/in oder Phonologe/in gibt es nicht, aber die Phonetik & Phonologie ist ein zukunftsorientierter Studiengang mit einer Vielfalt von möglichen Tätigkeiten.

Das Fach Phonetik-Phonologie eröffnet den Zugang zu vielen Berufsfeldern, in denen grundlegende Formen zwischenmenschlicher Kommunikation essentiell sind und einen maßgeblichen Anteil der beruflichen Aktivität ausmachen: Bildungsberufe, Bereiche sozialer oder kultureller Dienstleistungen, Medienunternehmen und Agenturen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Viele Phonetiker und Phonologen arbeiten als Sprachtechnologen an Sprachsynthese (sprechende Computer) und automatischer Sprach- und Sprechererkennung. Dabei sind die Grundlagenforschung und die Entwicklung von Anwendungen in der Informationstechnologie eng miteinander verzahnt.

Zusätzliche Einsatzmöglichkeiten gibt es in der Lexikographie, im Fremdsprachenunterricht sowie im Sprachunterricht für Hörbehinderte, in der Unterstützung von Sprachtherapeuten oder in der forensischen Phonetik.

Einige konkrete Beispiele:

Sprachtechnologie: Interaktion zw. Mensch und Maschine durch gesprochene Sprache
Sprachsynthese (sprechende Computer); Automatische Spracherkennung (hörende Computer); Sprechererkennung und -identifizierung, Störschalltechnik: Ausfilterung von Störschall als Vorstufe für Spracherkennung.

Beschreibung von Sprachen
Sytematische Analyse der Lautstruktur von Sprachen; Lautschrift (IPA) in Wörterbüchern; Aussprachewörterbücher; elektronische Wörterbücher mit akustischer Ausgabe; Entwicklung von Schriftsystemen und Transliterationen.

Sprachtherapie
Wissenschaftliche Unterstützung von Sprachtherapeuten, Logopäden, Klinischen Linguisten, Phoniatern und Pädaudiologen sowie Entwicklung von Geräten.

Unterricht
Ausspracheunterricht im Fremdsprachenerwerb, in der Gehörlosenpädagogik und in der Logopädie.

Forensische Phonetik
Identifizierung von Sprechern bei kriminellen Akten anhand von Stimm- und Spracheigenschaften

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Forschungsschwerpunkte & Forschungsumfeld an der UdS

  • Sprachsynthese: Vor- und Nachteile verschiedener Syntheseansätze werden für verschiedene Anwendungen getestet: z.B. Konkatenationssynthese, Formantsynthese und artikulatorische Synthese.
  • Automatische Spracherkennung, insb. die Rolle der Phonetik in der automatischen Spracherkennung
  • Intonation, Rhythmus und Sprechgeschwindigkeit im Deutschen und in anderen Sprachen
  • Sprachpathologie, insbesondere die Perzeption pathologischer Stimmen und die zugrunde liegenden akustischen Eigenschaften

In der Sprachforschung und -technologie zählt die Universität des Saarlandes weltweit zu den Spitzenadressen. Im Schwerpunkt Sprachforschung, Mehrsprachigkeit und Sprachtechnologie stehen Sprachverarbeitung beim Menschen, die sprachliche Informationsverarbeitung mit dem Computer, der Mensch-Maschine-Dialog und Fragen der Mehrsprachigkeit im Zentrum der Forschung von weit mehr als 100 Wissenschaftlern aus den unterschiedlichsten Bereichen: Phonetiker, Computerlinguisten, Informatiker, Sprachwissenschaftler, Psychologen und Neurowissenschaftler arbeiten hier in einem exzellenten und fruchtbaren Forschungsklima zusammen, auch in zahlreichen Spin-Off-Unternehmen.

In diesem Umfeld bildet der Lehrstuhl Phonetik zusammen mit Computerlinguistik und Psycholinguistik die Fachrichtung Allgemeine Linguistik und arbeitet eng zusammen mit:

  • Informatik
  • Elektrotechnik
  • Deutschem Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI)
  • Max Planck Institut (MPI) für Informatik
  • Caritasklinik St. Theresia, Saarbrücken