Praktikumsberichte · 2015-10-07 · Jakob Prange

Jakob Prange

Kontakt
Dauer 16.02.2015 - 27.03.2015
Firma Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz
Adresse Campus D3 2
66123 Saarbrücken
Deutschland

1. Das DFKI

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) ist ein Informatikinstitut mit Standorten in Saarbrücken, Kaiserslautern, Bremen und Berlin. Der juristische Sitz ist Kaiserslautern. Es ist auf seinem Gebiet führend in Deutschland und mit ca. 800 Müitarbeitern die weltweit größte Einrichtung im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Wissensmanagement, Cyber-Physische Systeme, Sprachtechnologie, Robotik und Intelligente Benutzerschnittstellen. Als öffentlich-private Partnerschaft zwischen Bundesländern und Unternehmen mit Projektförderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bietet das DFKI einen ganz besonderen Praktikumsstandort, denn es wird dort sowohl geforscht als auch entwickelt und angewendet.

2. Vor dem Praktikum

Nachdem ich die Prüfung zu der Vorlesung "Einführung in die Künstliche Intelligenz" im Sommersemester 2014 sehr gut bestanden hatte, wurde ich zu einem Treffen von Studenten der Vorlesung und Forschern des DFKI eingeladen, das dazu dienen sollte, Abschlussarbeiten, Hiwi-Jobs oder eben Praktika zu vermitteln. Die Vorstellung der Projekte HySociaTea (Hybrid Social Teams) und MADMACS (Multiadaptives Dialog-Management für Cyber-physische Umgebungen) durch Dr. Tim Schwartz hat mich sehr angesprochen, da Sprachinteraktion ein wesentlicher Bestandteil beider Projekte sein sollte, beide aber auch darüber hinausgehen würden. Also knüpfte ich Kontakt, schrieb eine Bewerbung und kam so an meine Praktikumsstelle beim DFKI.

3. Meine Tätigkeiten

Im Vorhinein und zu Beginn des Praktikums gab es mehrere Treffen mit meinen Betreuern Dr. Tim Schwartz und Dr. Michael Feld, vor allem, um einen Arbeitsplatz für mich zu finden und mögliche Aufgaben zu diskutieren. Ich teilte mir schließlich ein Büro mit einem Studenten, der an seiner Abschlussarbeit schrieb, und würde hauptsächlich im Projekt MADMACS helfen. Gleich der erste Tag wartete mit einer ganz besonderen Herausforderung, die für Computerlinguisten und Informatiker wohl nicht alltäglich ist: Es wurde ein alter Projektaufbau abgerissen, um Platz für MADMACS zu schaffen. Zu diesem Zweck hatten sich einige Forscher und Hiwis des DFKI in der Projektgarage versammelt und damit überspitzt bestätigt, dass Praxisnähe am DFKI ein großes Thema ist. Im weiteren Verlauf der ersten Woche wurde ich an die Software SiAM DP (Situation-Adaptive Multimodal Dialogue Platform) herangeführt. Dabei handelt es sich um eine eigens für MADMACS entwickelte Plattform, mit der schnell und ohne zwingende Programmierkenntnisse multimodale Dialoganwendungen erstellt werden können. Die Multimodalität wird dadurch gewährleistet, dass man beliebige Geräte wie Mikrofone, Lautsprecher aber auch GUIs oder Ventilatoren (dazu später mehr) anschließen und direkt in den Dialog einbinden kann. Ich arbeitete mich weiter in SiAM DP ein, indem ich kleine Dialoge erstellte und anschließend ausprobierte. Außerdem erzählten meine Betreuer von einem Roboter, der seine Arme bewegen könne, aber bis dato noch keine Sprachinteraktion unterstütze. Also erhielt ich die Aufgabe, nach Audio-Hardware zu recherchieren, die Sprachsignale gut verarbeiten konnte und auch klein genug war, um am Roboter montiert zu werden. Ab der dritten Woche wurde es in dem Büro etwas eng aber auch hochinteressant, denn die Vorbereitungen für die CeBIT (Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation (IT-Messe in Hannover, dieses Jahr vom 16. bis 20.03.) liefen nun auf Hochtouren und ein Demo-Aufbau wurde getestet. Der Aufbau beinhaltete mehrere farbverstellbare Lampen und einen Ventilator, die per Sprachbefehl, SmartWatch und Google Glass gesteuert wurden. Alle Geräte waren über SiAM DP miteinander verbunden. Einen weiteren sehr interessanten Einblick bot ein Jours Fixe, bei dem ich anwesend sein durfte. Dort tauschten sich Mitarbeiter mit verschiedenen Spezialgebieten über den aktuellen Stand ihrer Arbeit aus und planten das weitere Vorgehen. Meine anfänglichen Tätigkeiten, das Kennenlernen der Dialogplattform und die überlegungen zur Sprachfähigkeit des Roboters, konnte ich schließlich kombinieren, denn nun war es meine Aufgabe, eine Simulatorsoftware für den Roboter zu installieren und zu testen. Anschließend habe ich mich über die Programmierung von TCP-Servern und -Clients mit Python informiert und auf diese Weise den Simulator an SiAM DP angebunden. Im Gegensatz zum realen Roboter, den ich übrigens auch besichtigen und ausprobieren konnte, war seine virtuelle Version nun also bereits in der Lage, auf Sprache zu reagieren.

4. Persönliches Fazit

Das Berufspraktikum beim DFKI war insgesamt eine positive Erfahrung für mich. Ich habe viel informatisch-technisches Wissen mitgenommen, was im sonstigen Computerlinguistik-Studium meistens untergeht. Den Übergang von Forschung zu tatsächlichen Anwendungen wie dem Roboter oder der multimodalen Gerätesteuerung unmittelbar zu erleben, hat mir viel Spaß gemacht und meine Zufriedenheit mit meinem Studienfach gefestigt. Leider gab es nicht immer etwas zu tun, da es aufgrund der kurzen Dauer des Praktikums wohl schwierig war, meine Fähigkeiten richtig einzuschätzen und passende Aufgaben für mich zu finden. Möglicherweise ist daher statt eines 6-wöchigen Vollzeit-Praktikums ein etwas längeres Teilzeit-Praktikum zu empfehlen.